Wegen Tesla-Spionage: Deutscher steht kurz vor langer Haftstrafe

Ein deutsch-kanadischer Unternehmer namens Klaus P. wurde kürzlich verhaftet, nachdem er beim Versuch ertappt wurde, vertrauliche Daten von Tesla an vermeintliche Käufer weiterzugeben. Diese Informationen betrafen insbesondere Betriebsgeheimnisse zur Batterieproduktion des Unternehmens. Der Fall erlangte internationale Aufmerksamkeit, da der Unternehmer, der in China lebt, sowohl die deutsche als auch die kanadische Staatsbürgerschaft besitzt.

Klaus P., früher Geschäftsführer des kanadischen Unternehmens Hibar, das von Tesla 2019 erworben wurde, gestand die Vorwürfe im März und sitzt seitdem in Untersuchungshaft in New York. Das US-Justizministerium gab an, dass P. und ein Geschäftspartner versucht hatten, geistiges Eigentum von Tesla zu verkaufen, bevor sie von verdeckten Ermittlern enttarnt wurden. Der Fall wirft ein weiteres Licht auf die Herausforderungen, denen innovative Technologieunternehmen in Bezug auf Industriespionage gegenüberstehen.

Angeklagter noch auf freiem Fuß

P. war noch im Oktober des letzten Jahres auf der Internationalen Funkausstellung in Berlin für Hibar unterwegs. Bis vor Kurzem führte das Handelsregister Hibar mit P. als einen der beiden Geschäftsführer der Heidenheimer Niederlassung. Inzwischen zeigt Google Maps Hibar als „Dauerhaft geschlossen“ an, und das Handelsregister verzeichnete die Auflösung der GmbH am 21. Mai dieses Jahres.

Obwohl Hibar nicht mehr aktiv ist, bleibt P. im selben Geschäftsbereich tätig. Er leitet das Unternehmen Hife, das Niederlassungen in Kanada, China, Brasilien und Heidenheim betreibt. Hife spezialisiert sich auf den Verkauf und die Wartung von Dosierpumpen und Maschinen zur Herstellung von Batterien und Füllanlagen. Laut Handelsregister ist P. Geschäftsführer der Heidenheimer Niederlassung von Hife, und der Gesellschaftsvertrag des Unternehmens datiert auf Mai 2022.

Tesla-Spionage: So kam P. an die Betriebsgeheimnisse

Ein technologischer Vorteil bei der Elektrofahrzeugherstellung wurde durch die Übernahme eines kanadischen Herstellers von Batteriemontagelinien durch Tesla im Jahr 2019 gesichert. Diese Linien beinhalteten patentierte Technologien, die Tesla nun einen erheblichen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

Obwohl P. die Verpflichtung eingegangen war, diese sensiblen Technologien zu schützen, entschied er sich, die Firmengeheimnisse nach China zu bringen. Dort wollte er sich einen unrechtmäßigen Vorsprung in der Elektrofahrzeugbranche verschaffen. Ein Treffen mit vermeintlichen Kunden in den USA wurde ihm jedoch zum Verhängnis, da er dabei verhaftet wurde.

US-Staatsanwalt Breon Peace betonte, dass P. wusste, dass diese wertvollen Geschäftsgeheimnisse einem amerikanischen Unternehmen gehörten, er sie aber dennoch zu seinem eigenen Vorteil nutzen wollte. Dieses Verhalten führte zu rechtlichen Konsequenzen.

Gerichtsdokumente verzeichnen, dass der deutsch-kanadische Unternehmer P. seit 2019 zusammen mit einem chinesischen Komplizen, Yilong S., plante, die Geschäftsgeheimnisse von Tesla zu verkaufen. P. behauptete, über zahlreiche Originaldokumente der Technologie zu verfügen und suchte nach weiteren Originalzeichnungen. S. bestätigte schließlich, dass alle Original-Montagezeichnungen im PDF-Format vorlagen.

Zur Tarnung der Quelle der Dokumente ergriff das Duo mehrere Maßnahmen. P. erstellte eine Mitteilung an S., in der er erklärte, dass eines der Dokumente ein anderes Format habe, um es authentischer wirken zu lassen und den Verdacht einer Kopie zu vermeiden.

Die Behörden betonten die Bedeutung einer schnellen gerichtlichen Verfolgung von solchen Verstößen, insbesondere wenn diese die nationale Sicherheit gefährden. Die Entschlossenheit, solche Fälle rigoros zu ahnden, wurde deutlich gemacht und sollte als Abschreckung für ähnliche Vorhaben dienen.

Deutschem Unternehmer droht lange Haftstrafe

P. wechselte im Juli 2020 zu „Business-1“, einem von seinem chinesischen Geschäftspartner gegründeten Unternehmen, das Standorte in China, Kanada, Deutschland und Brasilien hat. „Business-1“ produziert die gleichen Präzisionszapfsäulen und Batteriemontagelinien wie der kanadische Hersteller Hibar.

Hife warb mit Anzeigen auf Google, YouTube und LinkedIn, in denen es hieß: „Hife| Ersetzt Hibar Pumpen & Teile| Hibar Identische Ersatzteile […] Kontaktieren Sie uns für Ihre Hibar Ersatzpumpen und -teile.“

Im September 2023 besuchten verdeckte FBI-Agenten eine Fachmesse für die Verpackungs- und Verarbeitungsindustrie in Las Vegas. Die Ermittler gaben sich als Geschäftsleute aus, die eine Batteriemontagelinie von Hibar kaufen wollten, um in New York Batterien herzustellen. Auf der Messe wurden sie per E-Mail mit den Verdächtigen S. und P. bekannt gemacht.

Mitte November 2023 sendete P. dann ein detailliertes 66-seitiges Angebot per E-Mail an einen verdeckten Ermittler. Dieses Dokument, das technische Details zu einer Batteriemontagelinie enthielt, bestand aus mindestens einem halben Dutzend Zeichnungen, die Tesla gehörten.

P. bekannte sich der Weitergabe von Geschäftsgeheimnissen für schuldig. Der Prozess ist für Oktober 2024 angesetzt. P. droht eine Höchststrafe von zehn Jahren Gefängnis.

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