5 Gründe, warum das Verbrenner-Verbot bald wieder Geschichte sein könnte

In Europa tobt eine Debatte über die Zukunft der Automobilität. Mit Beschlüssen, die zum Teil als weltfremd kritisiert werden, steht das Europäische Parlament im Zentrum der Kontroversen. Ein beschlossenes Verbot von Verbrennungsmotoren ab dem Jahr 2035 steht auf dem Prüfstand und könnte laut Kritikern aufgrund einer Reihe von Fehlern in der Planung und Missachtung relevanter Interessen scheitern.

Die Argumentation gegen das Verbot lenkt den Blick auf die industrielle Realität, technologische Kapazitäten und die Bedürfnisse der Verbraucher. Es mehren sich Stimmen, die auf das Ausbleiben der endgültigen Umsetzung des Verbots hinweisen und Prognosen stellen, dass bereits nachfolgende Legislaturperioden Korrekturen vornehmen dürften. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf verschiedene Akteure des europäischen Automobilmarkts und wirft die Frage auf, welche Richtung die Automobilpolitik in Europa nehmen wird.

1. Elektroautos: Noch weit entfernt von globaler Dominanz

Weltweit existieren über 1,4 Milliarden Kraftfahrzeuge, von denen die überwältigende Mehrheit auf Verbrennungsmotoren basiert. Nur ein verschwindend kleiner Bruchteil dieser Fahrzeuge wird durch elektrischen Antrieb fortbewegt. Die Umstellung auf eine voll elektrische Flotte bleibt auf globaler Ebene eine enorme Herausforderung. Um zu veranschaulichen, wie langwierig eine solche Umwälzung sein kann: Selbst wenn ab heute sämtliche neu produzierten Fahrzeuge – jedes Jahr etwa 90 Millionen – ausschließlich elektrisch wären, würde es rund 16 Jahre dauern, um den gesamten Fuhrpark zu erneuern.

Die Vorstellung einer solch schnellen Umstellung bleibt allerdings unrealistisch. Kein bedeutender Automobilmarkt, von China bis hin zu den USA, wird kurzfristig komplett auf elektrische Produktion umsteigen. Insbesondere in vielen Regionen der Welt ist der Marktanteil elektrischer Fahrzeuge nicht einmal quantifizierbar, meist bedingt durch eine fast vollständig fehlende Ladeinfrastruktur.

Es wird erwartet, dass ein beträchtlicher Teil des Mobilitätssektors auf lange Sicht nicht elektrifiziert sein wird, da diverse Faktoren gegen eine solche flächendeckende Umstellung sprechen.

2. Elektroautos in Deutschland im Schleichgang

In Deutschland dominieren trotz eines weltweiten Trends hin zur Elektromobilität noch immer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor den Markt. Aktuelle Zahlen zeigen, dass lediglich ein geringer Anteil der Neufahrzeuge elektrisch angetrieben wird. Im Vergleich zu den Vorjahren ist ein Rückgang im Absatz von Elektroautos zu verzeichnen:

  • Neuzulassungen: Während im Jahr 2022 noch ein Anstieg von 30% verzeichnet wurde, fiel das Wachstum im Jahr 2023 auf 11,4% und sank im Jahr 2024 sogar um 14%.
  • Marktanteil: Elektrobasierte Neufahrzeuge machen aktuell etwa 11% der Neuzulassungen aus.

Dieser Rückgang folgte auf die Streichung von Fördermitteln durch die Bundesregierung. So sanken die Neuanmeldungen von Elektroautos im Dezember 2023 im Vergleich zum Vorjahresmonat um 47%, wobei im März nur etwa 1000 E-Autos täglich angemeldet wurden.

Gegenüber dem ambitionierten Ziel der Bundesregierung, binnen sechs Jahren 15 Millionen E-Autos zugelassen zu haben, offenbart sich damit eine erhebliche Diskrepanz. Hierfür wären täglich etwa 5500 Neuanmeldungen vonnöten, ein Ziel, das aktuell in weiter Ferne liegt.

3. Schleppende Entwicklung bei Ladestationen

Die Pläne, Deutschland in einen Vorreiter der Elektromobilität umzuwandeln, sind ins Stocken geraten. Die Errichtung neuer Ladepunkte für E-Fahrzeuge erfolgt nur langsam.

  • Fördermittelstreichungen: Ein Förderprogramm mit einem Budget von 200 Millionen Euro, das 2024 in private Ladestationen sowie begleitende Solaranlagen und Energiespeicher investiert hätte, wurde gestrichen.
  • Eigenverantwortung der E-Auto Besitzer: Fahrzeughalter stehen nun vor der Herausforderung, eigenständig Ladelösungen zu finden.

Zu erreichen sind ambitionierte Ziele, wie das Laden von 15 Millionen E-Autos an rund einer Million Ladesäulen bis 2030, nur bei einer deutlich schnelleren Implementierung der erforderlichen Infrastruktur, laut dem Verband der Automobilindustrie müsste dazu die aktuelle Rate verdreifacht werden.

4. Vorrangstellung Chinas

Chinas Automobilindustrie hat durch staatliche Förderung entscheidende Fortschritte in der Elektromobilität und Batterietechnologie gemacht. Heute sind chinesische Elektroautos nicht nur technisch ausgereift, sondern auch zahlenmäßig überlegen und deutlich kostengünstiger als ihre globalen Konkurrenzprodukte.

Während deutsche Autohersteller zu einem späteren Zeitpunkt in die Entwicklung von Elektrofahrzeugen eingestiegen sind und damit aufholen mussten, begann in China bereits das neue Zeitalter elektrischer Mobilität. Auf dem chinesischen Markt, den deutsche Verbrenner lange dominierten, setzen chinesische Hersteller nun die Maßstäbe.

Deutsche Marktführer im Verbrennersegment, wie Volkswagen, sind im chinesischen Markt für Elektroautos nur gering vertreten. Mit einem Marktanteil von unter drei Prozent im Segment der Elektrofahrzeuge können sie kaum mit der einheimischen Konkurrenz mithalten.

Ein mögliches Verbot von Verbrennungsmotoren in Europa könnte insbesondere der Wettbewerbsfähigkeit chinesischer Elektroautos zugutekommen. Durch ihre günstigeren Modelle könnten sie die europäische Automobilbranche herausfordern und überflügeln. Eine solche Entwicklung scheint im Rahmen der EU-Gesetzgebung, angeführt von Ursula von der Leyen, nicht vollständig antizipiert worden zu sein. Ein solches Verbot könnte ungewollt den chinesischen Autoherstellern in die Hände spielen.

5. Wendepunkt in der Fahrzeugbranche

Die Automobilindustrie durchläuft eine Phase der Anpassung, wobei sich die Strategien der großen Konzerne aufgrund zurückhaltender Kundennachfrage ändern.

Volkswagen Anpassungen: Die deutsche Produktion von Elektroautos wird zurückgefahren. Ursprünglich geplant, im Hauptwerk in Wolfsburg gefertigt zu werden, wird der ID.3 aufgrund mangelnder Nachfrage nicht mehr dort hergestellt.

Strategieänderung bei Mercedes: Der Mercedes-CEO Ola Källenius hatte ursprünglich die Vision einer rein elektrischen Zukunft mit dem ambitionierten Ziel verkündet, dass bis 2025 Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride die Hälfte des Gesamtabsatzes darstellen sollten. Nachdem der vorherige CEO Dieter Zetsche in seiner Amtszeit kein Elektromodell eingeführt hatte, erhoffte sich Källenius einen dynamischen Neubeginn.

Aktuelle Anpassungen: Mittlerweile richtet sich das Ziel von Mercedes eher auf eine Verkaufsquote von „bis zu 50 Prozent“ Elektrofahrzeugen in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts, was mehr die aktuelle Marktsituation widerspiegelt, als mangelnde Entschlossenheit.

Den Elektrofahrzeugen könnte die Zukunft gehören, aber die Gegenwart sieht anders aus. Es ist keine alleinige Dominanz in der jetzigen Marktsituation zu erkennen. Interessanterweise hat die Diskussion über Elektromobilität im Europaparlament zu einer eher symbolischen Aktion geführt, die in den Nachrichtensendungen erwähnt wurde, aber keinen direkten Einfluss auf die tatsächliche Entwicklung auf den Straßen hatte.

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