Chinesische Autobauer auf Überholspur: Deutschland bald kein Autoland mehr?

Chinesische Autobauer überholen zunehmend ihre deutschen Konkurrenten und setzen neue Maßstäbe in der Automobilwelt. Eine Studie der Unternehmensberatung Horváth verdeutlicht, wie schwer sich die Elektromobilität in Deutschland tut, vor allem aufgrund hoher Strompreise.

Die Worte eines chinesischen Top-Managers bei seiner Ankunft in Deutschland sprechen Bände: „Jetzt sind wir wieder im Museum.“ Während vor ein paar Jahren deutsche Automarken wie VW, BMW und Mercedes auf den Straßen chinesischer Städte dominierten, sind heute Marken wie BYD, Li Auto und Nio allgegenwärtig.

Autoland Deutschland verliert seinen Ruf in China

Jahrelang galt China als verlässlicher Wachstumsmotor für die deutschen Autobauer. Diese Abhängigkeit von einem einzelnen Markt war profitabel, doch die Zeiten haben sich geändert. Die chinesischen Hersteller von Elektrofahrzeugen haben durch intensive staatliche Subventionen erheblichen Auftrieb bekommen. Milliarden werden in die Elektromobilität gepumpt, und Verluste werden dabei in Kauf genommen.

Volkswagen konnte im letzten Jahr zwar ca. 3,2 Millionen Fahrzeuge in China absetzen, darunter 191.800 vollelektrische Fahrzeuge. Dies entspricht einem Wachstum von 23 Prozent. Trotzdem wirken diese Zahlen klein im Vergleich zu BYD, dem führenden Anbieter, der weltweit 1.574.822 Elektroautos verkauft hat, die meisten davon in China.

Die einstige Dominanz der deutschen Autobranche im größten Automarkt der Welt steht auf dem Spiel. Traditionelle Stärken wie Qualität und Präzision reichen nicht aus, wenn die Konkurrenz durch staatliche Förderung gestärkt wird und einen Paradigmenwechsel in der Antriebstechnologie vollzieht. Hersteller im „Reich der Mitte“ setzen zunehmend auf Innovationen im Bereich der Elektromobilität und lassen dabei die deutschen Traditionsmarken hinter sich. Dieser Wandel stellt die deutsche Automobilindustrie vor große Herausforderungen und könnte langfristig ihren Status als Technologieführer gefährden.

Betriebskosten beim Laden in Deutschland viel zu hoch

Kunden in Deutschland haben klare Erwartungen an Elektroautos. Wichtige Faktoren sind Reichweite, Ladegeschwindigkeit, Anschaffungspreis und insbesondere die Betriebskosten. Diese Betriebskosten umfassen hauptsächlich die Kosten für das Laden. Laut Georg Mrusek von der Unternehmensberatung Horváth sind diese Kosten aktuell in Deutschland zu hoch. Der hohe Preis für das Laden erschwert den Wettbewerb mit europäischen und globalen Märkten, was eine Herausforderung für deutsche Automobilhersteller darstellt. Eine Senkung der Ladepreise könnte die Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit von Elektrofahrzeugen auf dem deutschen Markt erheblich steigern.

„BEV 2.0“ muss weiter kommen und schneller laden als bisher

„BEV 2.0“ sollten eine reale Reichweite von über 400 Kilometern bieten und innerhalb von 20 Minuten 250 bis 350 Kilometer aufladen können. Obwohl 400 Kilometer Reichweite als ausreichend ermittelt wurden, zeigen andere Umfragen, dass Kunden eher 600 bis 800 Kilometer erwarten.

Modelle wie der Porsche Taycan oder das Audi Q6 e-tron Brüderpaar sowie der Porsche Macan Electric erreichen technische Anforderungen für den „Sweet Spot“. Die Kosten sind jedoch eine Herausforderung. Premium-Autos sind bekanntermaßen teuer, und um diese Preise zu senken, sind die Batterien entscheidend.

Georg Mrusek ist optimistisch, dass deutsche Hersteller auf einem guten Weg sind. Er erwartet, dass die Preise für BEVs in drei bis vier Jahren auf das Niveau von Autos mit Verbrennungsmotor sinken. Dies würde BEVs in allen Segmenten für eine breitere Kundenschicht attraktiver machen.

In drei bis vier Jahren Preisparität zum Verbrenner?

Aktuell scheint es, als hätten einige der führenden deutschen Autohersteller ihre früheren Vorteile verloren. Besonders im Bereich der kleinen und kompakten Modelle haben sie das Steuer abgegeben. Während Marken wie Citroën und Renault noch in diesem sowie im nächsten Jahr erschwingliche Elektroautos wie den ë-C3 und den R5 E-Tech Electric auf den Markt bringen, lässt Volkswagen seine Kunden warten. Der ID2.all soll erst 2026 erscheinen, und das Einstiegsmodell ID.1 wird sogar noch ein Jahr später auf den Markt kommen.

Deutschland stoppte Subventionen, der Markt reagierte sofort

VW hat traditionell die Rolle des „First Followers” eingenommen, indem sie nur ausgereifte und robuste Produkte auf den Markt brachten. In den 2020er-Jahren sind jedoch schnellere Reaktionen nötig. Damit ihre Autos relevant bleiben, müssen sie innerhalb der nächsten zwölf Monate verfügbar sein. Hersteller aus Fernost nutzen jede sich bietende Gelegenheit, in den Markt einzudringen.

Schutzzölle bieten begrenzte Hilfe. Wenn die EU Einfuhrbeschränkungen einführt, reagiert China rasch. Marken wie Mercedes und VW könnten dadurch noch größere Schwierigkeiten auf dem chinesischen Markt erleben. Ein zufriedenes Gleichgewicht ist schwerer zu halten.

Ein dramatischer Rückgang bei den Verkäufen von Elektrofahrzeugen nach Einstellung der Subventionen wird von deutschen Herstellern nicht erwartet. Tesla hingegen könnte größere Einbußen sehen. Das Wachstum hat sich in Deutschland deutlich verlangsamt. Märkte wie Frankreich zeigen dabei eine andere Dynamik.

Georg Mrusek betont, dass trotz der geänderten Bedingungen, deutsche Hersteller resilient bleiben. Der Markt in Deutschland hat zwar gebremst, aber nicht zum Stillstand gekommen. Das hat auch Einfluss auf die globale Marktstrategie und die Anpassung an neue Herausforderungen.

Die EU und ihr Umgang mit Einfuhrschranken können stark die Zukunft der Automobilbranche beeinflussen. Wettbewerbsdruck aus Fernost bleibt eine konstante Herausforderung. Schutzzölle sind zwar eine Möglichkeit, sie bringen aber auch Risiken mit sich.

In Frankreich fahren E-Autos durch Atomstrom extrem günstig und sauber

In den ersten vier Monaten des Jahres 2024 stieg die Anzahl der Elektrofahrzeuge in Europa im Vergleich zum Vorjahr um 6,4 Prozent. Ein wesentlicher Grund dafür ist die Politik in Frankreich. Das Land fördert die Nutzung von Elektroautos durch hohe Subventionen und geringere Zulassungsgebühren für Verbrennerfahrzeuge.

Frankreich profitiert dabei besonders von seinen günstigen Atomstromkosten. Im Gegensatz zu Deutschland, wo die Strompreise wegen der Energiewende hoch sind, können die Franzosen ihren Strom für Elektroautos zu sehr niedrigen Preisen anbieten. Dies führt zu einem erheblichen Kostenvorteil für E-Auto-Besitzer in Frankreich.

Beim autonomen Fahren ist China weit vorn

Autonomes Fahren ist in China ein bedeutender Schwerpunkt in der technologischen Entwicklung. China investiert beträchtliche Mittel in die Forschung und Entwicklung autonomer Fahrzeugsysteme. Zahlreiche Technologiefirmen und Start-ups in China sind aktiv in diesem Bereich tätig und entwickeln fortschrittliche Systeme, die weltweit Beachtung finden.

Investitionen und staatliche Unterstützung

Die chinesische Regierung fördert diese Technologie mit umfangreichen Subventionen und Anreizen. Großstädte wie Peking und Shanghai dienen als Testfelder für neue Technologien und bieten den Entwicklern praxisnahe Umgebungen zur Erprobung ihrer Systeme. Diese Städte haben spezielle Testzonen eingerichtet, in denen autonome Fahrzeuge im realen Verkehr getestet werden können.

Technologische Fortschritte

Chinesische Unternehmen wie Baidu und Tencent haben bereits bedeutende Fortschritte gemacht. Baidu’s Apollo-Programm zum Beispiel ist eine der führenden Plattformen für autonomes Fahren. Diese offenen Plattformen erlauben es Entwicklern weltweit, auf fortschrittliche Software und Daten zuzugreifen und ihre eigenen Anwendungen zu entwickeln.

UnternehmenProjekt/PlattformFokus
BaiduApolloOffene Plattform für autonomes Fahren
TencentAutonomous Driving LabForschung und Entwicklung
AlibabaA.I. LabsKünstliche Intelligenz und Automatisierung

Real-World Anwendungen

In einigen chinesischen Städten sind bereits autonome Taxis und Busse im Einsatz. Shenzhen hat eine Flotte autonomer Shuttles eingeführt, die Passagiere innerhalb bestimmter Zonen transportieren. Diese Entwicklungen zeigen, dass China nicht nur in der Forschung, sondern auch in der praktischen Umsetzung führend ist.

Während andere Länder noch experimentieren, setzt China zunehmend auf praktische Lösungen und Implementierungen im öffentlichen Verkehr. Der Fortschritt und die Geschwindigkeit dieser Entwicklungen unterstreichen Chinas Engagement und Vision, den globalen Markt im Bereich des autonomen Fahrens zu dominieren.

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