China-E-Autos in deutschen Häfen kostet Bundesrepublik Milliarden

In den Vereinigten Staaten wurden kürzlich hohe Zölle auf Importe elektrischer Fahrzeuge aus China eingeführt, eine Maßnahme, die in der Europäischen Union noch nicht umgesetzt wurde. Diese Situation führt zu einem vermehrten Aufkommen chinesischer E-Autos in deutschen Häfen, was tiefgreifende wirtschaftliche Folgen für Deutschland haben könnte. Experten schätzen, dass der Zustrom preisgünstiger Elektroautos aus Asien der deutschen Wirtschaft milliardenschwere Einbußen bescheren könnte.

Um die derzeitige Lage einzuordnen, lässt sich festhalten, dass sechs verschiedene Aspekte berücksichtigt werden müssen. Diese Punkte geben einen Rahmen für das Verständnis der wirtschaftlichen Auswirkungen dieser Zollpolitik und wie sie sich auf den Automobilmarkt in Deutschland auswirken könnten. Der Handelskonflikt zwischen den USA und China hat damit indirekte Auswirkungen auf die europäischen Märkte, die in den kommenden Monaten und Jahren noch genauer zu analysieren sein werden.

1. Europäische Zurückhaltung gegenüber US-Protektionismus im Automobilsektor

Die Handelspolitik der Europäischen Union im Automobilsektor zeigt eine merkliche Zurückhaltung im Vergleich zu den Vereinigten Staaten, insbesondere in Bezug auf den chinesischen Markt. Dieser Unterschied beruht auf der starken Abhängigkeit europäischer Automobilhersteller von offenen Handelsbeziehungen. Im Kontrast dazu richtet sich die US-Politik stärker auf den Schutz heimischer Märkte aus.

Handelsbeziehungen der EU mit China – Ein Überblick:

  • Volkswagen steht in China an zweiter Stelle bei den Absatzzahlen und ist eine der führenden Marken.
  • BMW verzeichnet in China mehr als das Doppelte des Umsatzes im Vergleich zu Deutschland.
  • Mercedes-Benz erwirtschaftet rund ein Drittel seiner Einnahmen in China.

Währenddessen kämpfen US-Hersteller wie General Motors mit schrumpfenden Marktanteilen und Verlusten in China, was die Diskrepanz in der Abhängigkeit vom chinesischen Markt zwischen EU und US-Herstellern offenlegt.

Verkaufszahlen und Marktstrategien:

  • Euopäische Hersteller verkaufen etwa 10-12,5% ihrer Autos auf ihren heimischen Märkten.
  • Ford und andere US-Hersteller generieren den Großteil ihres Umsatzes im nordamerikanischen Markt.

Die geopolitische Lage bringt unterschiedliche Strategien hervor:

  • USA: Der amerikanische Markt wird als Kern der wirtschaftlichen Stärke gesehen. Die US-Politik unter Präsident Joe Biden zeigt daher eine Tendenz zu Schutzzöllen.
  • EU: Deutsche und andere europäische Automobilhersteller sind in hohem Maße auf den Absatz in globalen Märkten angewiesen, was zu einer Präferenz für freien Handel führt.

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz sprach sich für einen „wechselseitigen Austausch“ mit China aus, was die Tendenz der EU zu einer Handelspolitik widerspiegelt, die die Bedeutung des chinesischen Marktes für die europäische Automobilindustrie berücksichtigt.

2. Deutschlands Überhang bei Elektroauto-Exporten

  • Elektrofahrzeug-Exporte aus Deutschland übertreffen Importe
  • China führt mit circa 130.000 E-Autos bei den Importen
  • Exportzuwachs übertrifft Importzuwachsraten

Ungefähr 50% der Elektrofahrzeuge aus China sind Produkte westlicher Unternehmen wie Tesla. Chinesische Automarken dominieren den deutschen Markt also nicht.

3. Zunehmender Automobil-Export aus China

Im Jahr 2023 erreichte Chinas Automobilausfuhr eine signifikante Steigerung: Fünf Millionen Fahrzeuge wurden exportiert, was im Vergleich zu 2020 eine Verfünffachung darstellt. Im Gegensatz dazu blieb die Produktion für den lokalen Markt konstant.

Exportwachstum:

  • 2020: 1 Million exportierte Fahrzeuge
  • 2023: 5 Millionen exportierte Fahrzeuge

Diese Entwicklung löste international Diskussionen aus, wobei die Vermutung aufkam, dass chinesische Subventionen für Automobilhersteller eine Rolle spielen könnten. Es besteht die Besorgnis, dass diese preisgünstigen Fahrzeuge den globalen Markt übersättigen und heimische Produzenten beeinträchtigen könnten. China besitzt die industriellen Kapazitäten, um eine solche Expansion zu unterstützen, was die Thematik um den internationalen Handel intensiviert.

4. Seetransport als Herausforderung für Marktexpansion

Der maritime Transport stellt für den chinesischen Automobilhersteller BYD eine komplexe Herausforderung dar. Aktuelle Bestrebungen zeigen auf, dass die Besitztumer ihrer gigantischen Frachter, die bis zu 8.000 Fahrzeuge laden und dabei eine Länge von 200 Metern erreichen, Werbung für den europäischen Markteintritt machen. Jedoch ist die Kapazität der Flotte, die aus acht dieser Schiffe besteht, im Hinblick auf die europäische Nachfrage noch gering.

Jedes dieser Schiffe benötigt etwa 100 Tage für eine Gesamtreise nach Deutschland, was im Jahresverlauf weniger als 200.000 Fahrzeuge bedeutet. Im Vergleich zu den jährlichen Neuzulassungen von drei bis 3,5 Millionen Pkw in Deutschland, ist dies ein bescheidener Anteil von unter zehn Prozent.

Schiffsraum-Nutzung und Wettbewerb:

  • Kooperation mit Reedereien: Der Zugang zu zusätzlicher Schiffsraumkapazität für chinesische Hersteller ist limitiert. Konkurrierende Hersteller beanspruchen diese für den Export nach Deutschland und sind wenig geneigt, ihre Stellplätze aufzugeben.
  • Deutscher Automobilimport: Etwa 200.000 Fahrzeuge wurden im Jahr 2023 von Deutschland nach China verschifft, was den Handel ausgeglichen erscheinen lässt.

Der Hafen Bremerhaven, als Deutschlands Hauptumschlagplatz für Autos, wickelt pro Jahr etwa 1,6 Millionen Fahrzeuge ab. Obwohl aktuell keine spürbaren Engpässe durch chinesische Elektroautos bestehen, ist die Fähigkeit des Hafens, eine massive Steigerung der Importe aus China zu bewältigen, unsicher.

Angesichts der Marktdominanz von etablierten deutschen Fahrzeugherstellern wie VW, BMW und Mercedes-Benz sowie der logistischen Kapazitätsengpässe ist eine maritime Markteroberung durch chinesische Autoimporteure wenig wahrscheinlich. Insbesondere MG, der größte chinesische Autoimporteur in Deutschland, müsste sein Importvolumen um das 25-fache steigern, um mit Volkswagen gleichzuziehen – eine logistische Herausforderung, die die Eroberung des deutschen Marktes erschwert.

5. Europas milliardenschwerer Verlust durch Marktanteilsgewinne

Bei einem Anstieg des Marktanteils chinesischer Automobilhersteller in Europa auf zehn Prozent ergibt sich nach Berechnungen der Allianz Trade ein Wertschöpfungsverlust für die EU von etwa 27 Milliarden Euro. Dieser Verlust macht ungefähr zwei Prozent der gesamten wirtschaftlichen Leistung der EU aus. Deutschland würde durch diese Entwicklung überproportional betroffen sein, da auf seinem Territorium eine Vielzahl großer Fahrzeugproduzenten beheimatet ist.

6. Potenzielle Einigung: Herstellung innerhalb Europas

Um den Handelszugang zu erleichtern, könnte die Europäische Union von Automobilherstellern fordern, Produktionseinrichtungen in Europa zu errichten. Dieses Modell folgt einem ähnlichen Vorgehen, wie es bereits in China und den USA praktiziert wird – wobei lokale Produktion ein Schlüsselkriterium für Marktzugang und wirtschaftliche Vorteile ist.

EU vs. USA – Unterschiedliche Ansätze:

  • EU: Aktuell keine generellen Importzölle auf chinesische Fahrzeuge; nur bei nachgewiesenen Handelsverstößen.
  • USA: Direkte Anknüpfung von Förderungen und Steuervorteilen an inländische Produktion.

Motive für Lokalisierung:

  • Stagnierende Verkaufszahlen zeigen das Interesse chinesischer Firmen an ausländischen Märkten.
  • Kosten für Fracht, Marketing und Zoll reduzieren Kostenvorteile der Produktion in China.

Entwicklungen in der Fertigung:

  • Chery: Beteiligt sich an einem Joint Venture in Spanien zur Nutzung eines früheren Nissan-Werks.
  • BYD: Beabsichtigt, eine eigene Produktionsstätte in Ungarn zu errichten.

Eine Verlagerung der Automobilproduktion nach Europa würde nicht nur für eine größere regionale Wertschöpfung sorgen, sondern auch den Aufbau eines umfassenden Vertriebs- und Servicenetzes erforderlich machen. Letztlich könnte dies die Wettbewerbsfähigkeit stärken und zur Schaffung lokaler Arbeitsplätze beitragen.

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