Branchenexperte spricht Klartext: „Verbrenner ist eine Auslauf-Technologie“

Die Automobilindustrie durchläuft derzeit eine bedeutende Transformation, wie sie in ihrer Geschichte noch nicht erlebt wurde. Felix Mogge, Senior Partner bei Roland Berger, erläutert, dass technologische Veränderungen tiefgreifende Auswirkungen auf die gesamte automobile Wertschöpfungskette haben.

Besonders die Verlangsamung des Wechsels zur Elektromobilität in Nordamerika und Europa stellt eine große Herausforderung dar. Unternehmen, die erhebliche Investitionen in diesen Bereich getätigt haben, sehen nun einen schleppenden Markt und fehlende Deckungsbeiträge, da die Produktionsvolumina hinter den Erwartungen zurückbleiben.

„Je später ein Unternehmen damit beginnt, desto schmerzhafter wird der Prozess“

Der Markt für Verbrenner-Komponenten wird laut Branchenexperten in den nächsten fünf bis zehn Jahren dramatisch schrumpfen. Zulieferer müssen daher ihre Kapazitäten verringern und konsolidieren, während sie neue Geschäftsfelder erschließen. Je länger sie zögern, desto schwieriger wird dieser Wandel für sie.

Die gesamte Autoindustrie muss sich in entscheidenden Fragen einig werden. Hersteller und Zulieferer müssen gemeinsam Lösungen entwickeln, um Technologien im Fahrzeug insgesamt günstiger zu machen. Dies kann nur gelingen, wenn beide Seiten auf Augenhöhe diskutieren, denn letztlich sind sie aufeinander angewiesen.

Die Transformation der Industrie hat nicht über Nacht stattgefunden. Jedes Unternehmen hatte genügend Zeit, sich anzupassen. Einige haben dies erfolgreich gemeistert, während andere zurückgeblieben sind. Veränderungen bringen immer sowohl Gewinner als auch Verlierer hervor, was in der Natur der Sache liegt.

„Es gibt eine halbe Billion Euro zu verteilen“

Die kommenden Jahre versprechen erhebliche Wachstumschancen in mehreren Schlüsselbereichen der Automobilindustrie. Wichtige Felder, die deutlich zunehmen werden, beinhalten den elektrischen Antrieb, das Thermomanagement, die Elektronik, das autonome Fahren und Software. Bis 2030 wird erwartet, dass diese Bereiche gemeinsam etwa 250 Milliarden Euro mehr einbringen als heute.

Zusätzlich spielt der Bereich der Batterien für Elektroautos eine große Rolle. Hier wird erwartet, dass ein weiterer Betrag von rund 250 Milliarden Euro hinzukommt. Das bedeutet insgesamt, dass etwa eine halbe Billion Euro auf verschiedene Marktteilnehmer verteilt werden kann.

Die zunehmende Bedeutung von Elektronik- und Softwarekompetenzen ist für Zulieferer signifikant. Diese Fähigkeiten werden in den nächsten Jahren noch wichtiger werden. Gleichzeitig wird das Geschäft mit mechanischen Komponenten und Verbrennungsmotoren bis 2030 um mindestens 50 Milliarden Euro schrumpfen. Dies könnte zur Folge haben, dass nicht für alle genügend Geschäftspotenzial übrig bleibt.

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